innerfamiliäre sprachgrenzen.

es kommt, wie es kommt musste.

wappen

was die conzi noch anpreist als neuerscheinung auf dem büchermarkt, lag bei meiner schwester unter dem christbaum. und ja, ich senke mein haupt - schamesrot, wohlgemerkt. die niederbayern sagen [hei] und auch etwas wie [bi amoi so guad] statt “sei mal so gut”. anhand des [hei]s ließ sich außerdem feststellen, dass die grenze zwischen ober- und niederbayerisch genau meine familie durchläuft. erschütternder geht es zu weihnachten ja kaum noch! in meinen grundfesten erschüttert bin ich, jawoll, nix anderes!

dass der franke ein seltsamer menschenschlag ist, wird umso deutlicher: denn während in ober- und auch niederbayern am 6. dezember der nikolaus vorbeischaut, kommt in nürnberg der pelzmärtel. liebe franken, wer zum teufel soll das denn sein?!

wie auch immer, der kleine sprachatlas ist sehr toll. eine grundlegende frage wurde jedoch nicht geklärt: wieso sagen viele bayern (also ober- wie niederbayern) [ned], ich als grenzwertige oberbayerin aber [neda]? auf die klärung dieser frage warte ich schon lange und bin eigentlich enttäuscht, dass ich damit wohl auch noch weiter warten muss. oder hat da jemand einen lösungsansatz?

naja, ich muss mich also zurückhalten mit der öffentlichen diffamierung des niederbayerischen akzents. hmm, schade eigentlich. aber vielleicht hat ein befragter gar nicht so unrecht und genau diese beiden dialekte - ober- und niederbayerisch - sind sich gar nicht so unähnlich. machen wir doch einfach nochmal den juli 1475 dafür verantwortlich und gehen davon aus, dass es stimmt.

finale klärung der knödelfrage.

knoedel
knödel ist nicht gleich knödel. aber welcher wars bei der wm?

also, ich konnte nun leider nicht eruieren, um welche sorte knödel es sich handelt. die bayern edition von trivial pursuit fragt lediglich: “wieviele knödel verdrückte der aus bayern stammende sieger bei der weltmeisterschaft im knödelessen in nur 45 minuten?” bei google hab ich leider keinen so benannten event entdeckt. ich gehe davon aus, dass es sich um semmelknödel, nicht um marillen- oder gar zwetschkenknödel handelt (bewusst schreib ich semmelknödel, weil würd ichs sagen, würds [semmekneedl] heißen, ohne pluralische semmeln als inhaltsstoff). egal, die antwort lautet zwanzig und einen halben. mehr und mehr bin ich aber von dieser bayern-edition, mit der wir meiner stolzen österreichischen mama ihre wahlheimat bayern näherbringen wollten, enttäuscht: erstens sind da sauviele fragen über die franken drin und zweitens gibt es definitonsprobleme: was beudeutet zahnen? ich hab eine andere defintion als trivial pursuit. also, vorschläge, bitte liebe leser - dann stimmen wir auch demokratisch-bayerisch ab. ähhh, ist das paradoxon?!

song des tages: immer noch virginia jetzt!
sententia bis zum 23.01.: ned hudeln, des gibt depperte kinder.
news: die party gestern, bei der irgendwie 500 leute waren, die man von früher kennt, zerrt an den nerven. 30 prozent hab ich sehr gern gesehen, 30 prozent nicht so gern und 30 prozent sind mir wurscht. manches verändert sich nicht. aber man kann sicher nicht behaupten, dass es besser wird, wenn es anders wird. - aber anders muss es werden, wenn es gut werden soll. oder eben auch nicht ;-) achja, und die haare sind echt ab.

8 Responses to “innerfamiliäre sprachgrenzen.”

  1. botsch Says:

    also: zahnen bedeutet bei mir in der familie (beide eltern aus niederbayern, seit 1970 in münchen), die zähne zeigen, ergo: breit grinsen.
    nach dem motto “wer ko, der ko.”
    z.b. beim schaffkopfen, wenn man ein sicheres solo spielt und einen trumpf nach dem anderen ausspielt, sagen die anderen: “eam schaug o, da ZAHNT er!”

  2. Ursi Says:

    und wer ned ko, mecht aa, oder wie?!

    trivial pursuit/botsch : ursi - 1:0.

    botsch, du fällst mir in den rücken. immer diese leut niederbayerischer herkunft! schnell, brauche hilfe.

    apropos schaffkopf: klassiker meines herrn vaters. der gute vorweihnachts-kopf-abend beim kobler weißbräu z’burghausen mit den spezln aus der grundschule. manches ändert sich nie. und das ist gut so. manchmal.

  3. Tobi Says:

    Nein, nein, Botsch.

    Zahnen: (Vorwiegend kindliches) Weinen. “S’Deandl zahnt scho wieda”

    So schauts aus.

  4. Clem Says:

    “Zahnen”, in seiner bestimmt unspektakulärsten Bedeutung heißt: Zähne kriegen.

    Beispiel:
    “Ja Muader, warum heiltn dr gloi Grippl scho mea?”
    - “Ja du gfiahllos Mannsbild! Der Bua heilt halt, weil er zahna duat.”

  5. Ursi Says:

    tp/botsch : tobi/ursi - 1:1.

    clemens ist erstens schwab, zweitens deswegen grund des grundkurses und drittens der mit der unanfechtbaren position.

  6. Rudolf Inderst Says:

    Also, am Ostbahnhof in Haidhausen, wo ich meine Jugend auf dem Freiplatz verbrachte, waren andere Sätze zu vernehmen, in etwa:

    “Churnsohn, hey, Churnsohn, Deine Mutta [dies und den und von/durch jenes] … “

  7. Helga Birnstiel Says:

    Welche Bezugsquelle hatte der Weihnachtsmann bzw. das Christkind, dass der Sprachatlas bei deiner Schwester unterm Christbaum liegen konnte? Ich habe versagt - wollte ihn meinem Vater schenken…

    Aber eigentlich wollte ich meinen Senf zum Thema “zahnen” geben (achtung: im Zweifelsfall niederbayerisch!): zahnen wird auch für weinen/heulen verwendet.

    Was sagt Trivial Persuit? - Und gibt’s die Bayern Edition wieder zu kaufen (lang gesucht…)?

  8. Ursi Says:

    @ helga

    der sprachatlas kam von einer arbeitskollegin. aber ich hab ihn beim hugendubel und auch bei amazon schon gesehen. und natürlich bringt sowas bei uns daheim “’s christkindl”.

    trivial pursuit gibt übrigens für “zahnen” las lösung “breites grinsen” an (s. botsch). ich kenne beide bedeutungen, benutze aber nur die offensichtlich niederbayerische - “weinen”. das andere wäre bei mir vielmher “dablecka”.

    ich weiß nicht, ob es die bayern-edition wieder gibt. die stand bei uns daheim rum, dann im keller meiner schwester und sie sollte wohl wieder den weg zu meiner mama finden ;-) ich glaube aber ganz ehrlich, dass die nicht wieder aufgelegt wurde.

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