überraschung.
also, nachdem meine aussage zu den olympischen spielen in bejing/peking wohl als aktuelle modeerscheinung gedeutet werden kann, hier gleich noch ein paar sachen, die ich prinzipiell nicht mag:
* die bushs genau so wenig wie den putin
* den huber
* schneuzen
* die annahme, dass viele denken “amerikanische kulturgeschichte” bestehe nur aus 3 minuten bei mcdonald’s oder burger king
* intoleranz
* humorlosigkeit
* und noch so einiges anderes mehr, das mir aber zu dieser uhrzeit leider partout nicht einfallen will
um es klarzustellen: ich war schon immer (und damit meine ich: schon immer) gegen die olympischen spiele in peking. wenn die weltöffentlichkeit ein angeblich freies und friedliches sportereignis braucht, um mal zu sehen, was im himalaya so los ist und sich daran zu erinnern, wie es damals war, als tibet einfach mal so eingenommen wurde - dann läuft etwas ganz grundlegend falsch. aber dass auch grad bei den olympischen spielen der ordentlich anschafft, der zahlt, ist auch mir nix neues. sicher, diese aussage klingt natürlich bombig zeitgemäß, ein wenig sexy-politisch und plakativ noch dazu, allerdings habe ich ein abgeschlossenes geschichtsstudium und darf mich somit historikerin nennen. ich habe mich jahrelang mit den verschiedenen formen des kommunismus in china, vietnam, korea und vor allem auf cuba beschäftigt und möchte behaupten: freie spiele in einer (quasi-) dikatur hören sich nicht sooo geil für mich an. war schon immer so. und noch eins: dass man auf tibet (und vielleicht sogar auch auf die gesamtpolitische situation der vr china!) nur anhand eines sportereignisses schaut, kann einfach nicht sein. nicht in meiner welt. so gehts einfach nicht. basta.
laune: sehr gut eigentlich.
song des tages: “the impression that i get” von den mighty mighty bosstones
sententia: nix für ungut.
March 31st, 2008 at 1:11 pm
Darf ich dich als Historikerin dann mal fragen, was die Zielsetzung eines Boykotts der olympischen Spiele wäre? Also was würde man dadurch schlussendlich erreichen?
(und hätte man - wissend um die Problematik mit Tibet … oder der latenten Bedrohung Taiwans - dann nicht gleich bei der Wahl des Austragungsortes aufschreien müssen und nicht erst dann, wenn die Tibeter die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit durch einen Aufstand ausnutzen?)
March 31st, 2008 at 2:12 pm
oh, ich hab das damals gesagt, aber da gabs den blog noch nicht. auch bei der abschlussveranstaltung in athen hab ichs gesagt, nicht aber aufgeschrieben und ins netz gestellt, weil es ja den blog noch nicht so lange gibt. ich hab es nie verstanden und werde es auch nie verstehen, dass damals bei der bekanntgabe keiner, wirklich keiner, der in der öffentlichkeit steht, gesagt hat: “was, in china? find ich nicht gut, da können doch gar keine freien spiele stattfinden.”
natürlich ist es jetzt, wo die spiele eh fix stattfinden, gut, wenn nicht sogar überlebensnotwendig für tibet, die aufmerksamkeit auf das land zu lenken. selbst für die masse an bewohnern der vr china wäre es die gelegenheit die unstimmigkeiten vor den augen der weltöffentlichkeit anzuprangern. aber wer traut sich das denn in einem land mit einem einparteiensystem? und kann sich im herbst hier noch jemand dran erinnern? war das der olympische gedanke? ein boykott würde eventuell zur bloßstellung der chinesischen regierung führen. sicher pfeift die aber drauf. der russischen regierung wars ja auch voll wurscht, als die moskauer spiele boykottiert wurden. allerdings erinnert man sich heute immer noch daran.
ich persönlich boykottiere die spiele aber: ich allein. ich als einzelperson und individuum ursula schmied. ich schau sie nicht, ich werde mich nicht dafür interessieren. weil ich nicht kann. weil ich den drill des landes nicht mag und weil ich nicht gut finde, dass die spiele dort sind. weil der große bruder nervt und weil ich gern hätte, dass dieses riesige land frei wäre. vielleicht auch deshalb, weil ich weiß, dass mein privates fernsehzugeschaue sich nie auf was auswirken wird. vielleicht auch weil ich weiß, dass der boykott der spiele allein nicht reicht. vielleicht ist auch einfach nur die bisherige ignoranz, die mich in meinem vorhaben bestärkt.
olympia in china - nein, ich persönlich vor meinem fernseher bin dagegen! sollten sich politiker und sportler auch so verhalten? - vielleicht eher nicht, weil die ja wirklich was bewirken könnten und zum teil hab ich auch deswegen für sie gestimmt. sollte tibet frei sein? - schon lange. muss man immer erst durch spezielle veranstaltungen feststellen, dass elend, krieg und ungerechtigkeit einen großen teil der weltpolitik beherrschen? - anscheinend schon.
aber das führt schließlich zu einer der großen fragen der menschheit: in was für einer welt leben wir eigentlich? gehts noch? oder haben die leute vor lauter klingeltonwerbung und reality doku-soaps einfach vergessen, dass nicht überall eitel sonnenschein regiert? man weiß es nicht. ich finds doof. und ich schäme mich für die ignoranz.
March 31st, 2008 at 2:48 pm
Ich denke nicht dass wir beide hier über die Problematik von Tibet sprechen würden, wäre der Austragungsort nicht Peking. Ohne Olympiade stünde doch vermutlich in deinem (und auch vielen anderen) Blog(s) auch kein Wort darüber. Eben womöglich genauso wenig wie über die blutige Diktatur in Äquatorialguinea, Sudan oder Simbabwe.
March 31st, 2008 at 5:58 pm
mag sein. ich schreib hier wenig, was nicht direkt mit mir zu tun hat - wie du weißt.
und für mich ist ein blutig niedergeschlagener aufstand in tibet, dessen bilder ich täglich über die agenturen sehe, das traurige, ausschlagsgebende moment des ganzen - olympia und bejing hin oder her.
dass ich die lage in darfur sehr beängstigend finde, ebenso wie fast bei uns vor der haustür im kosovo oder die ganze mafiageschichte, ist nix neues. mir fallen noch einige mehr pulverfässer ein, von denen ich hoffe, sie gehen nicht in die luft. und ich seh täglich die bilder davon.
und trotzdem hat es alles nur wenig mit meiner person zu tun. im gegensatz zu meinem blog, der im großen und ganzen ja als mein persönliches dingensen angelegt ist. dass meine gedanken über tibet oder olympia oder die us-wahl hier auftauchen, ist eher selten. so soll es im großen und ganzen auch bleiben. streiten will ich mich mit keinem, ob ich das nur aus einer modelaune raus geschrieben hab (, was nicht der fall ist. ich bin schlicht und ergreifend so) oder ein ereignis als grund gesehen hab, meinen schwelenden grant loszuwerden. mir machen solche sachen angst.
ich war noch nie in einem land, in dem es nur eine partei gibt. ich kenn allerdings genügend leute, die schon waren - und wir sprechen hier nicht vom schicken resort-urlaub. sno*, du kennst es selber. ich habs nur ein bisschen anstudiert.
würde ich mir hier aber vornehmen, jeden tag einen neuen krisenherd abzuhandeln, wäre es nicht mehr “my so-called life” - es sei denn, ich seh es mit meinen eigenen augen. mich beschäftgt sowas, es macht mir angst, aber ich diskutier es lieber live und direkt aus. vielleicht wars doof, die geschichte mit china und tibet grad jetzt zu posten. aber für mich musste es irgendwie einfach sein, denn überraschend kam die aktion auf keinen fall - auch wenn das viele im fernsehen dachten. nochmals: ich schäme mich für die friede-freude-eierkuchen-ignoranz. auch ganz ohne olympia. for the record: die welt ist kein friedlicher ort. und ab und zu geht dieses allgegenwärtige wissen dann mit mir durch.
es bin halt doch nur ich, sno*: the simple girl next door. ich hoffe, du verstehst mich ein wenig.
March 31st, 2008 at 6:32 pm
Just one small comment:
Go for it! I’m on your side!
Grüße
der Veit
March 31st, 2008 at 8:56 pm
Hey, aber ich finde doch genau das so super. Und das bisschen was ich dich kenne reicht für mich locker aus um zu wissen dass du das nicht “aus Mode” geschrieben hast.
Und dass das alltägliche Grauen nicht Thema deines Blogs ist, ist doch klar und auch der Grund weshalb ich hier immer lese.
Tatsache bleibt, dass der Zusammenhang zwischen Olympiade und Tibetkonflikt dich dazu motiviert hat, dich in deinem (sonst) your so called life darüber Luft zu machen. Für mich ist das eine Bestätigung dafür, dass die Präsenz durch medialen Bimbam auch bei uns beiden funktioniert. Dabei will ich dir die, meiner Ansicht nach latent im Volk existierende Ignoranz auf keinen Fall unterstellen. Das Resultat bleibt das gleiche: Der Konflikt erhält eine grosse Aufmerksamkeit und das ist etwas was ich wirklich positiv finde.